Installationen in Münster

Ein Ort lebt so lange, wie Erinnerungen ihn nähren …
Drei Installationen vom 21. bis zum 26. Juli

Altes Stadtbad
Auf dem Schulhof der Overbergschule in der Magaretenstraße/Wolbeckerstraße
Sa/So von 11:00 bis 20:00 Uhr
Mo–Mi von 17:00 bis 20:00 Uhr

Stadtbad 2 Das Stadtbad 2 war für viele Münsteraner Bewohner lange Zeit der Ort der Reinigung. Besonders in der Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit war der Besucherstrom groß. So war es nicht selten, dass die Leute am Freitag und Samstag lange Wartezeiten in Kauf nehmen mussten, die für einen „Vierteltratsch“ ausgiebig genutzt wurden.
Das Stadtbad war ein kleines, aber nicht unwichtiges Kommunikationszentrum. Hier erfuhr man die Neuigkeiten aus dem Viertel, kleine und große Geschichten.
Dieser Umstand hat mich inspiriert, diesen Ort wiederzubeleben. In einer abstrakten Badehausatmosphäre kann man den erzählten Geschichten älterer Bewohner des Stadtviertels lauschen: über das Badehaus und das Leben im Herz Jesu Viertel und Klein Muffi. Die Klang-Skulptur selbst inspiriert zu einer anregenden Kommunikation unter den Besuchern. Der Schulhof, heute ein Treffpunkt junger Menschen, wird zur Begegnungsstätte der Generationen.

Ü-Wagen Radio Münsterland, Welle 410

Auf dem Vorplatz der Stadtwerke am Hafenweg
tägl. von 16:00 bis 21:30 Uhr

Radio Wohnwagen „Achtung, Achtung hier ist der Rundfunk Münsterland, Welle 410!“
In Münster wurde im Oktober 1924 die erste Sendestation in Westdeutschland in Betrieb genommen. Für viele Menschen ein unvorstellbares Phänomen: Woher kamen diese unsichtbaren Klänge? Die Neugier war geweckt und Interessierte kauerten sich mit Kopfhörer um die ersten Empfänger. Experimentierfreudige versuchten sich am Eigenbau.
Das Radio wurde kurze Zeit später eine der wichtigsten Informationsquellen, die über die Stadtgrenzen hinaus Neuigkeiten und Informationen lieferte. Sowohl als Manipulationsinstrument im Dritten Reich von den Nazis benutzt, als auch von den Engländern als Aufklärungs- und Widerstandsradio.
Viele kleine und große Geschichten ranken sich um diese erste Sendestation in Münster, die in den Gebäuden der jetzigen Stadtwerke ihre ersten Räume bezog. Pinkus Müller und Tölle Vormann gaben ihre Lieder in Lifekonzerten zum Besten.
Dr. Ernst wurde zum Münsteraner Sportreporter und späterer Leiter der Sendestation. Reinhard Holtstiege bastelte seine ersten Versuchssender und brachte damit so manches Mal seine Nachbarschaft zum Lachen.
Für einen Großteil der Bevölkerung waren die Sendungen des Rundfunks ein besonderes Ereignis, bei dem sich die ganze Familie und die Nachbarschaft um den Empfänger versammelte und gemeinsam Konzerten, Hörspielen oder Sportereignissen lauschten.
Die Klang-Skulptur Ü-Wagen – Radio Münsterland – Welle 410 überträgt alte und neue Geschichten in heimeliger fünfziger Jahre-Atmosphäre auf den Hafenplatz vor den Stadtwerken.

Tanzcafé Servatii

Promenade / Ecke Salzstraße
tägl. von 22:00 bis 1:00 Uhr

Café Servatii Vergnügungsabende mit Tanz sind in den Erinnerungen älterer MitbürgerInnen immer wieder präsent. Einige Tanzlokale, die zur Sprache kamen, waren u.a. das Cafè Roxel und das Cafè Servatii in der Innenstadt Münsters, oder der Tanz im Schlossgarten. Aber auch improvisierte Tanzabende privat und/oder am Kanal gehörten mit zum gelebten Alltag.
Die Videoinstallation findet an dem Ort des ehemaligen Cafè Servatii statt, wo sich heute das Bistro und Caféhaus Alex befindet. Das Café liegt direkt an der von Radfahrern und Fußgängern genutzten Promenade. In den Sommermonaten ist dort bis spät in die Nacht Betrieb.
Von dem jetzigen Café Alex projizieren wir mit drei Videobeamern tanzende Paare in die gegenüberliegenden Bäume und auf die Promenade.
Es sind SchattentänzerInnen, die sich in der Dunkelheit und im leichten Wind leicht drehend bewegen. Sie brechen ihre Bewegungen auch an den vorbeifahrenden Radfahrern und Fußgängern. Es ist ein faszinierendes Spiel mit den Schatten der Vergangenheit.

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